Merken An einem verregneten Dienstagabend stand ich in meiner Küche und sehnte mich nach etwas Warmem, das mich nicht beschwert. Ich erinnerte mich an eine kleine Izakaya in Kyoto, wo ich zum ersten Mal Wakame-Suppe probierte – so leicht, dass sie fast schwerelos wirkte, aber gleichzeitig unglaublich tröstend. Der Geschmack von Meer und Erde in einer Schale. Seitdem koche ich sie, wenn ich etwas Einfaches brauche, das mich erdet. Es ist erstaunlich, wie wenige Zutaten so viel Ruhe bringen können.
Ich kochte diese Suppe zum ersten Mal für meinen Nachbarn, der gerade aus dem Krankenhaus kam und nichts Schweres essen durfte. Er saß an meinem Küchentisch, löffelte langsam und sagte nach einer Weile nur: Das schmeckt nach Meer. Seitdem ist sie mein Rezept für Menschen, die etwas Sanftes brauchen. Manchmal ist Essen weniger Nahrung und mehr Geste.
Zutaten
- Getrocknete Wakame-Algen (8 g): Sie quellen auf das Vierfache auf, also nicht zu viel nehmen – ich habe beim ersten Mal die ganze Packung genommen und hatte Algen für eine Woche.
- Dashi-Brühe (1 Liter): Die Seele der Suppe; vegetarisches Dashi aus Kombu und Shiitake funktioniert genauso gut und gibt eine tiefe Umami-Note.
- Seidentofu oder fester Tofu (100 g): Seidentofu zerfällt sanft, fester Tofu bleibt in Form – ich mag die weiche Variante, weil sie wie Wolken in der Brühe schwebt.
- Frühlingszwiebeln (2 Stück): Ihr frischer Biss bringt Farbe und Schärfe in die milde Suppe.
- Weiße Misopaste (2 EL): Nie direkt in kochendes Wasser geben, sonst verliert sie ihre probiotischen Kulturen – ich habe das einmal ignoriert und die Suppe schmeckte flach.
- Sojasauce (1 TL): Nur ein Hauch, um die Salzigkeit zu verstärken, ohne zu dominieren.
- Sesamöl (1 TL, optional): Ein paar Tropfen am Ende geben einen nussigen Abgang, der überraschend viel verändert.
Anleitung
- Wakame einweichen:
- Die getrockneten Algen in eine kleine Schüssel mit kaltem Wasser geben und 5 Minuten ziehen lassen. Sie werden weich, glänzend und fast lebendig – abgießen und beiseitestellen.
- Dashi erhitzen:
- Die Brühe in einem mittelgroßen Topf bei mittlerer Hitze sanft zum Köcheln bringen, nicht sprudelnd kochen. Der Dampf riecht nach Meer und Pilzen.
- Tofu und Wakame hinzufügen:
- Die Tofuwürfel und die eingeweichten Algen in den Topf geben und 2 bis 3 Minuten ziehen lassen. Der Tofu nimmt die Aromen auf, ohne zu zerfallen.
- Miso einrühren:
- Eine Kelle heiße Brühe in eine separate Schüssel geben, die Misopaste darin glattrühren und zurück in den Topf gießen. So vermeidest du Klumpen und bewahrst die Enzyme der Miso.
- Würzen und abschmecken:
- Sojasauce und Sesamöl unterrühren, vorsichtig umrühren und eine Minute ziehen lassen, ohne zu kochen. Die Suppe sollte dampfen, aber nicht blubbern.
- Servieren:
- Heiß in Schalen füllen und mit dünnen Scheiben Frühlingszwiebel garnieren. Die grünen Ringe treiben oben und sehen aus wie kleine Inseln.
Merken Eines Abends saß ich mit einer Freundin in meiner Küche, wir hatten beide einen langen Tag hinter uns und keine Energie für kompliziertes Kochen. Ich machte diese Suppe, wir aßen schweigend, und nach einer Weile sagte sie: Manchmal braucht man einfach etwas, das einen nicht überfordert. Seitdem ist Wakame-Suppe mein stilles Ritual für Tage, an denen weniger mehr ist.
Variationen und Ergänzungen
Ich füge manchmal dünne Scheiben Shiitake-Pilze hinzu, die ich kurz in der Brühe mitziehe – sie geben eine erdige Tiefe. Julienne-Karotten oder frischer Spinat, in der letzten Minute hinzugefügt, bringen Farbe und zusätzliche Nährstoffe. Einmal habe ich aus Versehen zu viel Ingwer hineingerieben, und es war überraschend gut, ein kleiner Kick, der die Suppe wachrüttelte. Du kannst auch ein weiches Ei hineinlegen oder Glasnudeln für eine sättigendere Version.
Aufbewahrung und Vorbereitung
Die Suppe hält sich im Kühlschrank etwa zwei Tage, aber die Wakame wird mit der Zeit weicher und verliert etwas Biss. Ich wärme sie vorsichtig auf niedriger Stufe auf, nie in der Mikrowelle bei voller Leistung, sonst zerfällt der Tofu. Wenn du sie vorbereiten möchtest, koche die Brühe vor und füge Miso und Tofu erst kurz vor dem Servieren hinzu. So bleibt alles frisch und lebendig.
Serviervorschläge
Diese Suppe ist perfekt als Vorspeise zu Sushi, Onigiri oder einem einfachen Reis-Bowl. Ich serviere sie manchmal in kleinen Schalen neben gebratenem Lachs oder Teriyaki-Hähnchen. An manchen Abenden ist sie aber auch allein genug, begleitet von knusprigem Nori und eingelegtem Ingwer.
- Reiche sie mit gedämpftem Jasminreis und eingelegtem Rettich.
- Ein Spritzer Zitrone oder Yuzu am Ende hebt die Frische hervor.
- Für Kinder kannst du die Algen weglassen und mehr Tofu verwenden.
Merken Diese Suppe erinnert mich daran, dass Einfachheit oft der beste Weg ist, sich selbst etwas Gutes zu tun. Ich hoffe, sie wärmt dich genauso wie mich.